Über mich

Heute kann ich voller Freude sagen: Ich bin Hundetrainer. Ich arbeite ausschließlich mit positiver Verstärkung, mit modernen Techniken und nach dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand. Ich lebe entspannt mit drei Hunden zusammen, die alle nicht ganz einfache Vorgeschichten haben. Es ist gar nicht so schwer dem Hund auf positive Art und Weise zu zeigen, was man von ihm erwartet und ihm ohne psychische oder physische Gewalt auch mal Grenzen zu setzen. Hunde lernen eben, genauso wie Menschen, dann am besten, wenn sie Freude haben und sich in ihrer Umgebung sicher fühlen.

Als ich vor vielen Jahren die Leidenschaft für Hunde für mich entdeckt habe, wurde ich direkt vor eine ganz besondere Herausforderung gestellt. Mein Wissen über Hunde beschränkte sich auf die sehr begrenzten Informationen, die ich mir über verschiedene Hundetrainer-Formate im Fernsehen und das Internet „erarbeitet“ hatte, als der fünf Jahre alte, mehr als schlecht erzogene, Appenzeller Sennenhund Sepp in mein Leben trat.

Sepp zeigte viele Verhaltensweisen, die Hundehalter an ihren vierbeinigen Begleitern lieber nicht sehen wollen. Er zog an der Leine als ginge es nicht um Spazieren gehen sondern einen Seilzugwettbewerb. Abgerundet wurde das Ganze durch eine ausgewachsene Leinenaggression die sich sowohl gegen Artgenossen als auch gegen Menschen richtete. Im Freilauf verselbstständigte sich Sepp schnell und regelmäßig. Er zog es vor sein Ding zu machen. Sei es ein Bad im Fluss zu nehmen, sich in Gülle zu wälzen, Kühe oder Schafe oder auch einfach mal eine Gruppe Spaziergänger zu hüten oder einfach nur tonnenweise frische Maiskolben oder sonstige "Leckereien" zu futtern. Beizukommen war ihm nur, indem man ihn seine besondere Leidenschaft ausleben ließ: das manische Hinterherrennen hinter Bällen oder sonstigen Wurfobjekten, dass Balljunkies eben eigen ist.

Auch Abseits der „grünen Wiese“ gab es viele „Baustellen“, die sich nach und nach offenbarten. So zeigte Sepp beispielsweise schnell, dass er der Meinung sei, sowohl das Haus, das Auto als auch die nähere Umgebung des jeweiligen Aufenthaltsortes würden seiner Aufsicht unterstehen. Wildes Gebelle im Kofferraum beim Anblick von anderen Hunden und bestimmten Menschen gehörte zu seinen liebsten Hobbys.

Mit meinem rudimentären Wissen war ich schnell am Ende. Meine anfängliche Überzeugung, dass das ja alles nicht so schwierig sein könne, war blankem Entsetzen und einer tiefen Verzweiflung gewichen. In den folgenden zwei Jahren gaben sich bei mir vier Hundetrainer nacheinander die Klinke in die Hand. Die ersten drei scheinen mir aus heutiger Sicht kein besonders fundiertes Wissen über den Umgang mit Hunden und Methoden modernen Hundetrainings gehabt zu haben. Hätte ich damals gewusst, was ich heute weiß, ich hätte mir und meinem Hund viel ersparen können.

Der erste wirkliche, nachhaltige Durchbruch kam mit Hundetrainer Nummer Vier. Aus heutiger Sicht finde ich es absolut erstaunlich, dass es sich hierbei um den ersten Trainer handelte, der ohne Gewalt, ohne Zwang und ausschließlich mit positiver Verstärkung arbeitete. Diese Arbeitsweise brachte in kürzester Zeit in vielen Bereichen erstaunliche Fortschritte. Und in dieser Zeit wurde der Samen für meine weitere Entwicklung zum Hundetrainer gesät. Die Tatsache, dass es offenbar so viele Trainer gibt, die mit manchmal völlig aberwitzigen, aversiven und teils tierschutzrelevanten Methoden arbeiten, erweckte in mir den Wunsch die Welt für Hunde und Ihre Besitzer ein bisschen besser zu machen.